Lamp Cabinet

Parasite Production, 2013

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Foto: Rolf Wöhrle

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Über Parasiten, Ornamente und Systeme (Interview: Rabea Ebeling)

Design ist allgegenwärtig – ob die Büroklammer, der Turnschuh oder der 
Schreibtisch. Alles ist gestaltet und das in zahlreichen Varianten. Meist vereinen sich
dabei funktionale und ästhetische Konzepte im optimalen Fall zu einem neuartigen,
sinnvollen Designobjekt. Die Mechanismen im Hintergrund bleiben jedoch meist
verborgen. Entscheidend ist das Endprodukt, und nicht der Prozess.
Samuel Treindl jedoch interessieren genau diese verdeckten Mechanismen.
Systeme, die ganz automatisch stattfinden, jedoch selten an die Oberfläche
gelangen. Wie und in welchem Zusammenhang findet etwas statt?, Wie kann ich als
Designer darin eingreifen? sind Fragen, die sich Treindl beim Entwurfsprozess stellt.
So auch beim „Brass Shelf“, das Teil seiner Serie „Parasitäre Produktion“ ist.
Der Titel der Serie lässt bereits zahlreiche Assoziationen zu – die meisten davon
kommen wohl aus der Tierwelt, und das zu Recht: Treindl überträgt den biologischen
Prozess des Parasitären auf seine Serie. Er entwirft Lampen, Uhren und Garderoben
und ernährt diese, ähnlich der tierischen Verwandten, von ihrem Wirt. Im Falle von
„Brass Shelf“ ist dieser Wirt ein Regal aus schimmerndem Messing, das am Ende
zum zerklüfteten Ornament in goldig-glänzender Art Deco Optik mutiert.
Ausgeschnitten bleibt es übrig und funktioniert plötzlich als Bild. Die Negativform des
Rests verwandelt sich plötzlich in ihr Gegenteil und bringt das traditionell Abwesende
einer Produktion zum Vorschein.
Treindl tritt hier nicht nur als Entwurfsdesigner auf, nein, er greift gleichzeitig in den
Produktionsprozess ein und legt das System offen. Er interveniert in den industriellen
Schneidprozess und schafft dadurch neue Abhängigkeiten und Regeln im Spiel der
Massenproduktion. Nur so viele Lampen, Garderoben und Uhren können hergestellt
werden, wie es das Regal zulässt.
Seine „Parasitäre Produktion“ will der Designer als ein kritisches Statement zur
heutigen Massen- und Überproduktion verstanden wissen. In der Weiterführung der
Serie plant Treindl als aktiver Entwurfsdesigner gänzlich abzutreten. Dann überlässt
er die Formfindung mathematischen Berechnungen und Logarithmen, die banale
Formen in wunderbare Ornamente verwandeln können. Es ließen sich Regale mit
ständig wechselndem Ornament und gleichzeitig Garderobenhaken oder andere
nützliche Dinge herstellen.
Samuel Treindl ist gelernter Drechsler und Gestalter, studierte Design an der FH
Münster und zurzeit an der Kunstakademie Münster. Im vergangenen Jahr wurden
seine Arbeiten auf zahlreichen Ausstellungen und Messen gezeigt. Zuletzt in Köln,
Mailand und Basel. Treindl eröffnet mit seinen Arbeiten Denkräume und verpasst
Ihnen einen Hintersinn, der zum kritischen ebenso wie ironischen Kommentar zur
heutigen Designproduktion zu werten ist.